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Der Gaspreisschock

Für einen Augenblick ist Fabian Fischer sprachlos. „Ein Fünftel mehr“, sagt er. „Das ist ein Hammer.“ Vor drei Jahren hat der 39-jährige Familienvater 17 000 Euro in eine hochmoderne Gasheizung für seine Erdgeschosswohnung in Linden investiert. „Um Energiekosten zu sparen“, sagt Fischer. Doch die Rechnung ging bisher nicht auf – und wird es auch in Zukunft nicht.
Denn die 220 000 Gaskunden der Stadtwerke Hannover müssen sich auf eine deutliche Preiserhöhung einstellen. Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung will der Versorger die Tarife zum 1. Oktober um 22 Prozent anheben. Eine Unternehmenssprecherin wollte die Angaben am Montag weder bestätigen noch dementieren. Die Stadtwerke folgen damit einer Reihe anderer Versorger, die ihre Tarife in den vergangenen Wochen in ähnlicher Dimension erhöht haben. Die Oldenburger EWE hatte ihre Preise bereits im August um 17 Prozent angehoben, in Celle kostet Gas seither 20 Prozent mehr, e.on Avacon verlangt seit August 13,9 Prozent mehr. In Lehrte sollen die Gaspreise in zwei Stufen sogar um insgesamt mehr als 30 Prozent steigen. Der Grund ist der rasante Anstieg der Rohölpreise, an den die Gaspreise gekoppelt sind. In der Regel sehen die Verträge mit den Vorlieferanten vor, dass die Tarife den Notierungen an den Ölmärkten mit einer Verzögerung von sechs Monaten folgen. Aktuell sinken die Ölpreise zwar wieder, die Gaskunden werden davon jedoch frühestens in einem halben Jahr profitieren. Dem Beschluss zur Preiserhöhung seien intensive Gespräche mit dem Oberbürgermeister und dem Kämmerer vorangegangen, hieß es gestern im Rathaus. Im Aufsichtsrat des Unternehmens habe es Stimmen gegeben, die den Preisanstieg gern unter der Marke von 20 Prozent gehalten hätten. Eine solche Entscheidung wäre aber zulasten des Stadtwerke-Gewinns gegangen, hieß es. Dem Vernehmen nach hätte die Stadt im laufenden Geschäftsjahr auf rund vier Millionen Euro verzichten müssen. Die Stadt hält drei Viertel der Stadtwerke-Anteile, der Rest liegt bei der e.on-Tochter Thüga. Nicht betroffen von der Preiserhöhung im Oktober sind die 30 000 Kunden der Stadtwerke, die sich im Frühjahr für das Festpreisangebot „Gas&fix“ entschieden haben. Wer sich im April für ein Jahr an das Unternehmen gebunden hat, zahlt etwas weniger für die Kilowattstunde als Kunden im Normaltarif. Wichtiger noch: Tariferhöhungen sind bis April nächsten Jahres ausgeschlossen. Nach früheren Angaben haben die Stadtwerke die dafür nötige Gasmenge preislich absichern können. Die Stadtwerke hatten ihre Preise zuletzt im April dieses Jahres erhöht. Gas verteuerte sich um 8,8 Prozent, für ihren Strom müssen die Kunden seither 7,1 Prozent mehr bezahlen. Für einen Vierpersonenhaushalt mit einem Verbrauch von 21 000 Kilowattstunden im Jahr hat sich die monatliche Gasrechnung dadurch um 9,37 Euro erhöht.