Republik freies Wendland

Dem Landtagsabgeordneten Dirk Toepffer fehlt in dem Hüttendorf Atom-Projekt der Theatergedanke. Er sieht eher eine ausschließlich politische Positionierung ohne einen echten schauspielerischen Beitrag für den Nachwuchs.

„Kultur darf politisch sein; aber Politik darf Kultur nicht dominieren und majorisieren. Theater sollte also politische Themen aufgreifen können und dabei auch zum Nachdenken anregen. Aber der Aufruf, dass künftig mehr Menschen gegen Atomkraftwerke demonstrieren sollen, gleicht einem Aufruf einer Anti-Atom-Organisation und das auf Kosten des Landes“, sagt Toepffer über das Atom-Projekt Hüttendorf des Schauspiels Hannover.

„Das Projekt Hüttendorf ist weit entfernt von einer theateristischen Inszenierung, denn Workshops mit gewaltfreiem Widerstand haben kaum etwas mit Schauspielerei oder Theaterpädagogik zu tun. Es wird eher ein Erlebniscamp Politik errichtet, in dem scheinbar der Nachwuchs an Demonstranten gefördert werden soll. Das belegt auch die Beschreibung zum Projekt Republik freies Wendland, in dem von einer noch zu politisierenden Jugend gesprochen wird. Die Politisierung der Jugend ist wichtig, aber das ist wohl kaum Aufgabe eines Theaters. Es entsteht der Eindruck, dass die eigenen echten Sehnsüchte der Macher auf die Jugendlichen projiziert und den jungen Menschen diktiert werden. Dem Ganzen liegt eher eine politische als eine kulturelle bzw. schauspielerische Sicht zugrunde“, analysiert Toepffer.

„Unter Inszenierung eines Schauspielhauses verstehe ich aber die Zurschaustellung eines Werkes. Hüttendorf hätte als ein Erlebniscamp darstellende Kunst, mit dem Schwerpunkt Schauspielerei in den Workshops mit dem Thema Republik freies Wendland inszeniert werden können. Den teilnehmenden Jugendlichen hätte gezeigt werden können, wie experimentell Schauspielerei ist. Dafür bieten die verschiedenen Sparten Komödie, Drama und Tragödie etc. genügend Möglichkeiten der Jugend kulturelles Wissen praktisch zu vermitteln. So etwas wäre unter die Theaterpädagogik eines Schauspielhauses subsumierbar. Schließlich ist ein Theater ein Ort der kulturellen Bildung“, so Toepffer weiter.

„Florian Fiedler sollte sich wieder darauf besinnen, dass er als Regisseur für ein Theater arbeitet und nicht vorrangig Mitglied einer Anti-Atom-Organisation ist“, sagt Toepffer abschließend.
 

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